Die Beleuchtung

Eigentlich wollte ich mich bei diesem Thema zurückhalten, da das ganze sehr schnell in einen Glaubenskrieg ausarten kann und mir die praktischen Erfahrungen fehlen...
Aber da ich letztendlich vor dem gleichen Problem stand (das verfügbare Winterquartier ist einfach zu dunkel für mein Terrarium), mußte ich mich doch damit beschäftigen. Um es vorwegzunehmen: ich habe mich für eine Halogen-Metalldampflampe (150 Watt, HQI/DL) entschieden, da das Terrarium im Arbeitszimmer steht und Unmengen weißen Lichtes leichter zu ertragen sind als eine gelbe Natrium-Lichtflut. Ob es funktioniert, wie ich es mir vorstelle, kann ich dann im Frühling sagen...

Vielleicht hilft diese Seite ja dem einen oder anderen bei der Jagd nach Informationen. Kommen wir also zur Sache:

Licht ist gleich Licht?

Wichtig für die Wirkung der Beleuchtung ist neben der absoluten Beleuchtungsstärke die Spektralverteilung des Lichtes, das heißt, die Leuchtdichte bei verschiedenen Wellenlängen. Tageslicht ist ein Gemisch aller Wellenlängen vom infraroten (IR) bis in den ultravioletten (UV) Bereich. An dieses Licht haben sich nun die Pflanzen angepaßt: die Maxima für die Photosynthese (also praktisch der wirklich von den Pflanzen nutzbare Teil des Lichtes) liegen bei Wellenlängen von 440nm und 670nm.
Natürlich gibt es artbedingte Unterschiede. Eine Hochland-Nephentes zum Beispiel ist an den hohen UV-Anteil des Lichtes in Hochlagen angepaßt, während epiphytische oder in Tallagen wachsende Pflanzen nur den langwelligen Teil des Lichtes abbekommen. Eine weitere Rolle spielen Tageszeit und geographische Lage, da das Licht in der Atmosphäre umso stärker gedämpft wird, je kurzwelliger es ist und je flacher sein Einfallswinkel ist. Pflanzen aus äquatorialen Lagen sind daher an "blaueres" Licht angepaßt als Pflanzen der gemäßigten Zonen. Daher läßt sich auch kaum ein universelles und und für alle Pflanzen optimales Leuchtmittel festlegen.

Die Leuchtmittel

Hinweise: Natriumdampf-Hochdrucklampen
Diese Lampen sind eigentlich der Geheimtip bei Pflanzenliebhabern. Die hohe Lichtausbeute, die hohen erreichbaren Lichtstärken und das für Pflanzen sehr gut geeignete Licht empfehlen sie vor allem für Gewächshäuser und große Terrarien. Problematisch ist neben den hohen Anschaffungskosten die gelbliche Farbe des Lichtes, die in der Wohnung eher störend wirkt.

Vorteile:
+ sehr hohe Lichtausbeute (40...140 lm/W)
+ sehr hohe Lebensdauer (bis 20.000 h)
+ Spektrum sehr gut für Pflanzen geeignet

Nachteile:
- hohe Anschaffungskosten
- verfälschte Farbwiedergabe
- relativ lange Anlaufzeit, nicht im heißen Zustand neu zündbar

Halogen-Metalldampflampen
Diese Lampen sind Quecksilberdampflampen, die zusätzlich Spuren anderer Metallhalogenide enthalten. Dadurch erzielt man eine gleichmäßigere Spektralverteilung und höhere Lichtausbeute. Das Licht ist für Pflanzen sehr gut geeignet und auch für den Menschen angenehm, enthält jedoch Anteile an UV-Licht. Nachteilig ist auch der sehr hohe Preis der Leuchtmittel (speziell der Ausführung HCI bzw. CDM)

Vorteile:
+ hohe Lichtausbeute (60...100 lm/W)
+ hohe Lebensdauer (bis 15.000 h)
+ "natürlich" wirkendes Licht
+ Spektrum sehr gut für Pflanzen geeignet

Nachteile:
- sehr hohe Anschaffungskosten
- hoher Anteil an UV-Strahlung
- relativ lange Anlaufzeit, nicht im heißen Zustand neu zündbar

Quecksilberdampf-Hochdrucklampen
Diese Leuchtmittel sind für die Pflanzenbeleuchtung fast ungeeignet, da sie (ähnlich wie Natrium-Niederdruckdampflampen ihr Licht in schmalen Wellenlängenbereichen abgeben, die für die Photosynthese kaum nutzbar sind. Das Licht wirkt für Menschen grell, aber relativ natürlich. Problematisch bei Dauerbetrieb ist bei einigen Typen der Anteil an UV-Strahlung, der zur Vermeidung von Schäden (z.B. Ausbleichen von Farben) ausgefiltert werden muß. Moderne Lampentypen besitzen teilweise im Brenner integrierte UV-Filter.

Vorteile:
+ gute Lichtausbeute (10...60 lm/W)
+ hohe Lebensdauer (bis 15.000 h)
+ "natürlich" wirkendes Licht

Nachteile:
- hohe Anschaffungskosten
- hoher Anteil an UV-Strahlung
- Spektrum für Pflanzen weniger gut geeignet
- relativ lange Anlaufzeit, nicht im heißen Zustand neu zündbar

Natriumdampf-Niederdrucklampen
Diese Lampen sind für die Pflanzenbeleuchtung ungeeignet, da sie ihr gesamtes Licht in einem schmalen Spektralbereich abstrahlen, der für die Photosynthese nicht genutzt werden kann. Zudem läßt das grellgelbe Licht kaum ein Farbsehen zu.

Vorteile:
+ sehr hohe Lichtausbeute (50...150 lm/W)
+ hohe Lebensdauer (bis 20.000 h)

Nachteile:
- hohe Anschaffungskosten
- Spektrum für Pflanzen ungeeignet
- keine Farbwiedergabe (rein gelbes Licht)
- relativ lange Anlaufzeit, nicht im heißen Zustand neu zündbar

Leuchtstoff- und Energiesparlampen
Diese Lampen sind vom Licht her für Pflanzen relativ gut geeignet (vor allem die spektraloptimierten Speziallampen, sie sind aber i.d.R.weniger effektiv als die Hochdruck-Metalldampflampen. Dafür ist die Anschaffung preiswerter. Durch ihre im Verleich zu anderen Leuchtmitteln geringe Wärmeentwicklung und ihre Bauform sind vor allem Leuchtstofflampen für die Beleuchtung von Terrarien geeignet. Das Licht wirkt auch auf Menschen angenehm, so daß die Lampen auch im Wohnzimmer nicht stören. Nachteilig bei hohem Lichtbedarf ist die geringe Leuchtdichte, d.h. die Abmessungen des Leuchtmittels im Verhältnis zur Lichtstärke.

Vorteile:
+ relativ hohe Lichtausbeute (30...80 lm/W)
+ relativ hohe Lebensdauer (bis 8.000 h)
+ geringe Anschaffungskosten
+ geringe Wärmeentwicklung

Nachteile:
- geringe Leuchtdichte

Glüh- und Halogenlampen
Diese Leuchtmittel sind für die Pflanzenbeleuchtung fast unbrauchbar. Einziger Vorteil ist der günstige Preis und das Fehlen zusätzlicher Komponenten wie z.B. Vorschaltgeräte. Da diese Lampen den größten Teil ihres Lichtes als Infrarotstrahlung abgeben, sind sie zudem sehr unwirtschaftlich. Außerdem besteht die Gefahr eines Hitzestaues und von Verbrennungen der Pflanzen. Das Licht ist vom Spektrum für Pflanzen kaum geeignet, da kurzwellige Strahlung fast völlig fehlt. Ein weiteres Problem ist die Lebensdauer. Die Hersteller geben zwar teilweise eine Haltbarkeit von über 2000 Stunden an, nur scheint diese in der Praxis (vor allem bei leistungsstarken Halogenstrahlern) nirgends aufzutreten...

Vorteile:
+ geringe Anschaffungskosten

Nachteile:
- sehr geringe Lichtausbeute (5...15 lm/W)
- geringe Lebensdauer (bis 2.000 h)
- Spektrum für Pflanzen ungeeignet
- hohe Wärmeentwicklung

Die Natrium-FAQ